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Karin Witte - zum 80sten Geburtsag

Von Ulrich Schneider

„Manchmal wie Tanzen“ beschreibt sie ihre Arbeitsweise und wer Karin Witte im Atelier im nördlichsten Zipfel von Hamburg erlebt, versteht dies sofort. In dem fensterlosen Raum, der durch ein Sheddach das Tageslicht einfängt, bewegt sie sich leichtfüßig mit Pinsel oder Stift in der Hand vor der Staffelei. Die Bildsprache ihrer Gemälde und Zeichnungen ist dynamisch und es verwundert nicht, dass Witte aus der Bewegung, aus dem Tanz heraus die Leinwand oder das Papier traktiert. Dynamik und Spontaneität sind die ersten bleibenden Eindrücke ihrer Kunst. 

Ihre Themen erschließen sich nicht intuitiv, ihre Kunst fordert die volle Aufmerksamkeit des Betrachters. Dann erst findet er sich zurecht in ihrer Bildwelt, deren Ursprung in der Gegenständlichkeit, in der beobachteten und individuell gedeuteten Welt liegt. Wir entdecken Räume und räumliche Strukturen, Zeichensysteme, die aus räumlichen Zusammenhängen abgeleitet sind aber auch Menschen, immer wieder Menschen, einzeln oder in Gruppen, auf Köpfe und Masken reduziert, herausgerissen aus alltäglichen Verrichtungen und immer wieder in irritierenden auch beängstigenden Zusammenhängen.

Wer die Bildwelt Karin Wittes entschlüsseln will, muss zurück in die Vergangenheit, in die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihr künstlerisches Talent hat sie offensichtlich von ihrem Vater geerbt, der Grafiker und Maler war. Ihre Ausbildung im Schneiderhandwerk entsprach noch ganz den Rollenbildern jener Jahre und so war es auch konsequent, dass Wittes erste Schritte in der Hamburger Kunsthochschule sie in die Klassen von Margret Hildebrandt, eine der angesehensten Textildesignerinnen, führte. Doch bald schon finden wir sie in den Klassen von Theodor Grave, Paul Wunderlich und Willem Grimm, wo sie die zweckgebundene Ästhetik der Textildesignerin gegen die freie Kunst eintauscht.

Die prekäre Lebenssituation, die mit dieser Entscheidung nahezu zwangsläufig einhergeht, nimmt sie in Kauf. Ihren Lebensunterhalt verdient sie sich als Postbotin, Gärtnerin und Aktmodell. Als Aktmodell lernt Sie nicht nur viele Hamburger Künstler kennen, sondern auch die Tänzerin Marie Nater. Leidenschaftlicher, selbstvergessener Tanz ist seit dieser Zeit aus Wittes Leben nicht mehr wegzudenken, leidenschaftlicher Tanz prägt seither auch ihre Arbeitsweise im Atelier.

Mitte der 60er Jahre zieht es die junge Künstlerin in die Provence. Es werden formende Jahre für sie. Hier findet sie eine Lebenswelt außerhalb bürgerlicher Konventionen und künstlerische Themen, die sie nie mehr loslassen: Figuren, Bewegung, Raum. Gegenständliche Bezüge werden mit der Zeit immer weiter aufgelöst, den Schritt zur ungegenständlichen Abstraktion unternimmt sie jedoch bis heute nicht.

Mit der Rückkehr aus Südfrankreich in das heimische Hamburg beginnt ein Ausstellungsreigen, der bis heute – unterbrochen von Reisen nach Spanien und Indien – nicht abreißt. Hamburg, Genf, Berlin, Bremen, Bonn und immer wieder Hamburg sind Stationen ihrer Ausstellungen. So ist es auch nur konsequent, dass Witte 1974 den Erwin-Scharff-Preis der Stadt Hamburg verliehen bekommt, eine Auszeichnung für Künstler, die das kulturelle Leben in der Hansestadt nicht nur bereichern sondern prägen: Karin Witte steht nun neben Namen wie Gustav Seitz und Horst Janssen, Paul Wunderlich und Harald Duwe oder Manfred Sihle-Wissel. Und es ist ebenso konsequent, dass ihre Arbeiten in den folgenden Jahren in öffentlichen Sammlungen Einzug halten.

In den siebziger Jahren folgen Lehraufträge an der Fachhochschule und Anfang der achtziger Jahre wird Sie schließlich Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg. Und heute? Heute arbeitet Karin Witte unbeirrt in ihrem Atelier weiter, wo sie gerade ihre nächste Einzelausstellung vorbereitet. Unter dem Titel „Manchmal wie Tanzen“ wird ab 14. April 2019 in Kloster Cismar bei Grömitz eine Ausstellung mit Arbeiten aus den vergangenen zwanzig Jahren zu sehen sein und das bedeutet viel Arbeit und durchtanzte Tage.

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